Rechte Esoterik in den sozialen Medien
Rechte Esoterik ist heute stark in den sozialen Medien vertreten. Plattformen wie Telegram, YouTube, Instagram oder TikTok bieten Raum für Inhalte, die Spiritualität, alternative Lebensweisen und politische Weltbilder miteinander vermischen. Was auf den ersten Blick wie harmlose Achtsamkeits‑ oder Naturthemen wirkt, kann sich bei genauerem Hinsehen als Teil einer rechtsextremen oder verschwörungsgläubigen Szene entpuppen.
Häufig sprechen diese Kanäle von "Erwachen", "Bewusstwerdung" oder "Licht gegen Dunkelheit". Dahinter steckt oft der Gedanke, dass eine angebliche "Elite" die Menschen "im Schlaf halten" wolle - eine Vorstellung, die aus verschwörungsideologischen Bewegungen stammt. Solche Erzählungen verbinden esoterische Sprache mit politischen Feindbildern und einem tiefen Misstrauen gegenüber Medien, Wissenschaft oder Demokratie.
Andere Accounts nutzen Symbole oder Begriffe aus der germanischen oder NS‑Zeit, etwa Runen oder die Idee einer "germanischen Spiritualität". Diese Symbole werden nicht offen politisch eingesetzt, sondern mit spirituellen oder naturverbundenen Aussagen kombiniert. Dadurch wirken sie unauffällig, transportieren aber unterschwellig völkische oder rassistische Vorstellungen.
Auch während der Corona‑Pandemie wurde dieser Trend sichtbar. Viele Kanäle, die sich ursprünglich mit Gesundheit, Heilmethoden oder Selbsterkenntnis beschäftigt hatten, griffen plötzlich politische Themen auf. Unter dem Schlagwort "Selbstdenken" verbreiteten sie Falschinformationen, Verschwörungsmythen und Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen. So entstanden neue Schnittstellen zwischen Esoterik, Impfkritik und rechtsextremen Positionen.
Das Problem: rechte Esoterik in sozialen Netzwerken wirkt oft freundlich, emotional und positiv. Sie spricht von Heilung, Harmonie oder Freiheit - und vermittelt gleichzeitig Andersdenken, Ausgrenzung und Misstrauen. Genau diese Mischung macht sie so schwer zu erkennen und besonders für junge Menschen anziehend.
Quelle:
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Rechtsextreme Esoterik (2023), Dossier Rechtsextremismus,