Die Externsteine

Die Externsteine gehören zu den bekanntesten Natur- und Kulturdenkmälern Deutschlands. Neben ihrer geologischen Besonderheit sind sie seit dem Mittelalter ein bedeutender religiöser Ort – und wurden später immer wieder ideologisch überformt. Besonders deutlich zeigt sich dies im Spannungsfeld zwischen historischer Bedeutung, nationalsozialistischer Instrumentalisierung und heutiger rechtsesoterischer Nutzung.

Historische Bedeutung und Anlagen bei den Externsteinen
Die Externsteine wurden bereits im Mittelalter christlich genutzt. Ein zentrales Zeugnis dieser Zeit ist das sogenannte Kreuzabnahmerelief aus der Mitte des 12. Jahrhunderts (um 1150). Es handelt sich um ein dreiteiliges, in den Fels gearbeitetes Relief, das zu den bedeutendsten mittelalterlichen Kunstwerken Westfalens zählt.
Im mittleren und größten Bildfeld wird die Abnahme Christi vom Kreuz dargestellt: Nikodemus löst den Leichnam Jesu, während Josef von Arimathäa ihn auffängt. Maria hält den Kopf ihres Sohnes, was die emotionale Intensität der Szene unterstreicht. Rechts unten steht der Jünger Johannes mit einem Buch als Symbol seiner Evangelienüberlieferung. Das Relief verdeutlicht die klare Einbindung der Externsteine in die christliche Tradition des Hochmittelalters und widerspricht damit späteren Deutungen als ursprünglich „germanische Kultstätte“.
Oft genutzter Anhaltspunkt für diese Auslegung ist die auf dem Kreuzabnahmerelief zu sehende Irminsul (siehe Bild 1), welche gekrümmt dargestellt ist. Ihre Bedeutung im Kontext des Reliefs ist bis heute umstritten.

Die Externsteine in der Zeit des Nationalsozialismus
Während der Zeit des Nationalsozialismus erfuhren die Externsteine eine ideologische Umdeutung. Insbesondere die SS unter Heinrich Himmler zeigte großes Interesse an dem Ort. 1933 und 1934 wurden umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt, die von der SS-nahen „Externsteine-Stiftung“ initiiert wurden.
Ziel dieser Untersuchungen war es, vermeintliche Belege für eine vorgeschichtliche germanische Hochkultur zu finden. Im Zentrum stand dabei die Suche nach dem sogenannten „Standort der Irminsul“, eines angeblich bedeutenden Heiligtums der Sachsen. Die Irminsul wurde von nationalsozialistischen Ideologen als Symbol einer uralten, überlegenen germanischen Religion interpretiert, obwohl es dafür keine gesicherten archäologischen Beweise gibt.
Parallel dazu versuchte das Regime, die Externsteine als Symbol eines „ewigen Germanentums“ zu stilisieren. Geplant waren großflächige Ausgrabungen, die sowohl das hohe Alter der Anlage als auch ihre angebliche Funktion als vorgeschichtliche Sternwarte belegen sollten. Diese Maßnahmen dienten weniger wissenschaftlichen Zwecken als vielmehr der ideologischen Legitimation der NS-Weltanschauung.
1936 wurde in Detmold die „Pflegestätte für Germanenkunde“ gegründet, die ab 1937 auch für die Betreuung der Externsteine zuständig war. Sie war Teil eines umfassenderen Netzwerks zur Erforschung und propagandistischen Nutzung vermeintlich „germanischer“ Kulturstätten.

Rechtsesoterische Nutzung der Externsteine heute
Auch in der Gegenwart sind die Externsteine ein Anziehungspunkt für verschiedene esoterische und rechtsextreme Gruppen. Dabei knüpfen viele dieser Strömungen an die ideologischen Deutungen der NS-Zeit an und vermischen sie mit esoterischen Vorstellungen.
So finden regelmäßig Zusammenkünfte zu Sonnenwenden (21. Juni und 21. Dezember) statt, bei denen die Steine als „Kraftort“ interpretiert werden. Auch in der Walpurgisnacht wird der Ort von entsprechenden Gruppen genutzt. Diese Veranstaltungen sind oft geprägt von einer Mischung aus Naturmystik, neopaganen Ritualen und völkischem Gedankengut.
Darüber hinaus existieren Initiativen wie Petitionen zur angeblichen „Wiederherstellung eines Ritualplatzes“ an den Externsteinen. Solche Forderungen basieren häufig auf der unbelegten Annahme, der Ort habe eine vorchristliche, kultische Funktion gehabt, die „rekonstruiert“ werden müsse.
Ein weiteres Beispiel für die Brisanz der Situation ist die Bedrohung eines Pfarrers im Rahmen einer Adventsfeier am 21. Dezember, was zeigt, dass es nicht nur bei symbolischen Handlungen bleibt, sondern auch zu konkreten Konflikten kommen kann.
Insgesamt zeigen die Externsteine exemplarisch, wie ein historischer Ort im Laufe der Zeit unterschiedlich gedeutet und instrumentalisiert werden kann. Während ihre tatsächliche Geschichte fest in der mittelalterlichen christlichen Tradition verankert ist, wurden und werden sie immer wieder Projektionsfläche für ideologische und esoterische Vorstellungen.
2017 brachte ein Kletterer eine Irminsul auf den Externsteinen an (https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/view/69347/62685, siehe Bild 2). Auffällig ist dabei insbesondere die Platzierung an exakt derselben Stelle, wie sie in einer Skizze eines Entwurfs für den "Rekonstruktionsversuch der "Kultstätte" an den Externsteinen" von 1931 zu finden ist (siehe Bild 3)

Die Externsteine sind allerdings nicht nur Versammlungsort rechter Esoterik, sondern Treffpunkt vielfältiger, auch unpolitisch oder politisch nicht rechts angesiedelten Esoterikern und Mystikern. Offizielle Zahlen dazu werden nicht erfasst, für etwaige Feiern (z.B. Sonnenwende) veröffentlicht das Lippische Landesmuseum Richtlinien, wie etwa das Verbot offener Feuerstellen, deren Einhaltung durch das zuständige Ordnungsamt kontrolliert werden. Insbesondere im historischen Kontext der Externstein, bleibt die Intention für etwaige Feiern an diesem Ort aber fraglich.

(Bild 3)Entwurf Rekonstruktionsversuch der "Kultstätte" an den Externsteinen mit aufgerichteter Irminsul
[Bundesarchiv Berlin, Sign. NS 19/1931, Bl 2, ausgestellt in der Wewelsburg, Lippisches Landesmuseum]