Hermannsdenkmal – Vom Nationalmythos zum Zeichen für Toleranz
Das Hermannsdenkmal erinnert an den Cheruskerfürsten Arminius, der im Jahr 9 n. Chr. in der Varusschlacht die Römer besiegte. Zwischen 1838 und 1875 wurde das Denkmal von Ernst von Bandel errichtet. Es sollte an den germanischen Sieg und an den sogenannten Gründungsmythos der deutschen Nation erinnern. Ursprünglich war das Denkmal als Symbol für Einheit, Freiheit und den Widerstand gegen fremde Herrschaft, vor allem gegen Napoleon, gedacht. Nach der Reichsgründung 1871 wurde es zu einem wichtigen Symbol der neu gewonnenen deutschen Einheit.
Im Laufe der Zeit veränderte sich jedoch die Bedeutung des Denkmals. Zunächst stand es für bürgerliche Freiheit, später wurde es nationalistisch umgedeutet. Arminius galt plötzlich als „Ur-Germane“, der ein „reines Deutschland“ gegen fremde Einflüsse verteidigte. Im Nationalsozialismus nutzten die Nazis das Hermannsdenkmal für ihre Rassenideologie und Propaganda. Sie deuteten Arminius als Vorbild germanischer Überlegenheit und machten das Denkmal zu einem Symbol des sogenannten Germanenkults.
Heute wird am Hermannsdenkmal klar auf Distanz zu rechtsextremen Gruppen gegangen. Der Landesverband Lippe, der das Denkmal verwaltet, stellt ausdrücklich fest, dass das Denkmal ein Ort des Lernens und der Begegnung sein soll – offen für alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion oder Weltanschauung. Extremismus, Diskriminierung und Intoleranz werden dort nicht geduldet.
In der Geschichte wurde das Denkmal häufig von reaktionären und völkischen Gruppen als Symbol benutzt, zum Beispiel auch im Wahlkampf der NSDAP 1933. Demokratische Parteien wie SPD, Zentrum und DDP versuchten damals, die ursprüngliche Bedeutung des Denkmals – Freiheit und Einheit – wieder in den Vordergrund zu rücken.
Trotz allem wird das Hermannsdenkmal bis heute von rechtsextremistischen und verfassungsfeindlichen Gruppen missbraucht. Auch die Externsteine und die Wewelsburg gelten in solchen Kreisen als angeblich „mythische Orte“. Rechtsextreme bezeichnen die Region Ostwestfalen-Lippe deshalb oft als sogenanntes „Hermannsland“ und organisieren dort Treffen oder Ausflüge. Sogar die AfD plante 2018 eine Veranstaltung am Hermannsdenkmal, die vom Landesverband Lippe jedoch abgelehnt wurde.
Heute steht das Hermannsdenkmal für ein anderes Ziel: Es soll ein Zeichen gegen Intoleranz und Extremismus sein – ein Ort, an dem Geschichte nicht verklärt, sondern verstanden wird.

Quellen
Quellen (alle zuletzt abgerufen am 23. Februar 2026):